


Nachdem wir von dem Pfannkuchen wieder etwas mehr gestärkt waren, fuhren wir weiter durch ein schön bewaldetes Gebiet. Ich kann wirklich immer wieder betonen, wie toll die Radwege in den Niederlanden sind.
In Haderswijk angekommen ging es über das Aquaduct Veluwekmeer und ab dann kann ich Euch sagen, wurde es zäh. Richtig zäh. Wir kamen immer näher an das Meer heran und das merkte man am Gegenwind. Ab da merkte ich, dass ich die Kilometer anfangs hätte höher setzen sollen und zum Ende hin kürze Strecken hätte planen sollen. Wir fuhren über Deiche, welche wir uns mit Schafen und Wildgänsen teilten - die Tiere waren aber alle entspannt, sie scheinen Radfahrer gewöhnt zu sein.
Auch wurde die Landschaft immer einseitiger, so dass man kaum merkte, dass man überhaupt voran kam und es befanden sich dort auf den Deichen, über die wir fuhren, keine Wälder, welche uns vom Wind schützen konnte. Natürlich gab es Bäume, doch nicht um den Radweg herum. Lelystad ist unserer Meinung nach eine der wenigen, nicht so abwechslungsreichen Ecken der Niederlande. Dieses Gebiet wurde - wie das gesamte Flevoland - auf einem Polder gebaut. Dies bedeutet, dass es dem Meer abgewonnen wurde und es liegt fünf Meter unter dem Meeresspiegel.
Wir kamen dann nach total erschöpft an unserer Unterkunft für die Nacht an. Wir hatten im Hajé Restaurant de Aalscholver ein Zimmer gebucht. Diese sind in einem Haus direkt am Wasser eines Teiches gebaut, was wirklich sehr schön war, jedoch hatte ich nicht gesehen, dass es sich bei der Unterkunft quasi um eine Autobahn-Raststätte an der A6 handelte. Es war leider etwas laut. Aber wir hatten eine Badewanne auf dem Zimmer, was ein Pluspunkt war und konnten unsere müden Muskeln entspannen. Wir haben im Restaurant Fish & Chips gegessen und sind wirklich um 21 Uhr tot ins Bett gefallen.
Da diese Tour etwas zäh war, haben wir auch leider nicht so viele Fotos geschossen. Wir wollten einfach nur voran kommen.
Am nächsten Morgen nahmen wir kein Frühstück zu uns, da wir schon befürchtet haben, dass es zeitlich knapp werden könnte. Wir hatten ja wieder 110 Kilometer vor uns uns wollten über den Deich fahren, welcher das Marker- von dem Ijsselmeer trennt, über Enkhuizen fahren.
Wir haben uns schon sehr gewundert, warum niemand mit uns in die Richtung Enkhuizen über den Deich fuhr. Das erste Stück klappte einfach super, doch dann macht der Deich einen Knick und man fährt nicht mehr mit dem Wind, sondern gegen den Wind. Die wenigen Radfahrer, die wir auf der Deichüberquerung trafen, kamen uns entgegen - nun verständlich für uns.
Aber es war schon ein wahnsinniges Erlebnis. Man kann herrlich über den Deich fahren. Die Autospuren sind etwas höher gelegen, so dass man die Fahrzeuge nur ganz selten sieht. Auf der einen Seite sieht man nur Wiese und auf der anderen Seite das Meer. Wir hatten auch mit dem Wetter wahnsinniges Glück.
Als wir vom Deich runter fuhren, war mein Akku schon gut die Hälfte runter und dabei hatten wir gerade mal 45 Kilometer geschafft und noch gut 65 Kilometer vor uns. Da Ging mir der Pöppes schon langsam auf Grundeis. Ich hatte dann schnell online geschaut, wo man eine E-Bike-Ladestation findet. Die nächste sollte in Wervershof in gut 13 Kilometern sein. Wir mussten eh laut Navi durch den Ort, so dass wir uns auf die Suche der Ladestation machten. Leider war die Station defekt und da dachte ich schon bei mir, dass ich die Strecke mit dem Gepäck und dem Gegenwind niemals im Leben bis nach Groote Keeten in Callantsoog schaffe. Zum Glück entdeckte ich ein paar Häuser von der Ladestation entfernt einen Imbiss. Ich bin ja die Sorte Mensch, nach Hilfe zu fragen und mehr als Nein sagen, kann mein Gegenüber nicht. Also gingen wir zu dem Imbiss und ich fragte, ob wir gegen Geld die Räder aufladen dürfen. Die Besitzer waren so lieb. Sie holten ein Verlängerungskabel und schwupps durften wir die Räder aufladen. Dafür haben wir reichlich getrunken und gegessen, um den Umsatz zu fördern. Es war die "Snackerie `t Zonnetje und ich würde dort jederzeit wieder einkehren. Sehr leckerer Kaffee, tolle Snacks und auch bei den Einheimischen sehr beliebt. Da wir so zeitig und ohne Frühstück von unserer Unterkunft losgefahren waren, hatten wir zum Glück auch noch ausreichend Zeit, um in Callantsoog bei der Ferienwohnungsvermietung anzukommen. Mir fiel da wirklich ein Stein vom Herzen und so ein großes Trinkgeld habe ich - glaube ich - noch nie jemandem gegeben, nachdem die Besitzer des Imbisses von mir kein Geld für den Strom wollten.
Nachdem die Akkus wieder etwas mehr geladen waren, ging es durch Medemblik - auch ein wunderschöner Ort - weiter und dann ging es die meiste Zeit über platte Felder. Das war anstrengend, dass kann ich Euch sagen. Wir hatten so wahnsinnigen Gegenwind, so dass mein Akkustand - normalerweise fuhr ich im Eco-Modus, aber hier musste ich aufgrund des Gewichts des Gepäckes und des Windes zwischendurch den Turbo einschalten - wieder rapide runter ging. Hatte man gut Tempo, kam eine Windböe und man hatte das Gefühl, dass man quasi wieder stehen blieb. Von Medemblick bis zur Wohnung waren es noch etwa 40 Kilometer und die letzten 20 Kilometer waren wirklich ein Kampf für mich. Wir kamen auch an keinen richtigen Ortschaften oder Tankstellen vorbei, wo man hätte kurz aufladen oder sich auch mal ein Getränk gönnen können. Wir kamen nur an Feldern und vereinzelt liegenden Höfen vorbei.
Aber wir schafften es. Mein Akku zeigte, als wir an der Ferienwohnung ankamen an, dass ich noch 8 Kilometer Akkulaufzeit hätte. Das war also Leben am Limit muss ich Euch sagen.
Mein Fazit ist, dass ich es immer wieder machen würde. Es hat so wahnsinnig Spaß gemacht und über seine eigenen Grenzen hinaus zu wachsen, das hat mich schon sehr stolz gemacht. Ich war bisher auch immer jemand, der mit sehr viel Gepäck gereist ist. Ich hatte immer zu viel dabei und habe grad mal die Hälfte gebraucht. So ganz bewusst zu packen, weil man für die zwei Wochen nur die zwei Radtaschen pro Person zur Verfügung hat, das war schon eine große Herausforderung für mich. Ich habe nur Sachen eingepackt, die man gut waschen kann (zur Not auch nur mit Hand) und nicht bügeln muss. Und ich kann Euch sagen, dass es richtig toll war. Mich hat es gar nicht genervt, nur zwei Kleider, einen Rock, zwei Jumpsuits unter die gut die Radhose passt, zwei Jeans, zwei Pullis, eine Jeansjacke und eine Regenjacke zzgl. natürlich Unterwäsche und Bikini, dabei zu haben. Man fühlte sich auch vom Kopf her befreit und da wir eine Waschmaschine in der Ferienwohnung hatten, konnten wir uns immer frischer Kleidung bedienen.
Auch haben wir ganz bewusst nur wenige Drogerieartikel mitgenommen. Wir haben festes Shampoo, feste Spülung und feste Seife mit gehabt, damit uns nicht auslaufen kann und wir auch Gewicht sparen können. Wir hatten Unisex-Deo und Parfüm, welches wir beide benutzen konnten, kleine Tuben mit Creme und alles was man so braucht in Mini-Größen.
Besonders schön fand ich, dass man mit dem Rad die Natur ganz anders wahrnimmt. Das Quaken der Frösche in den Teichen, als wir von Arnheim Süd in Richtung Arnheim fuhren; die Schafe und Gänse, die wir unterwegs auf den Deichen sahen; die wunderschönen kleinen Gassen, welche wir in kleinen putzigen Orten durchfuhren, welche man sonst nie zu Gesicht bekommt, weil man mit dem Auto ja nur auf der Autobahn unterwegs ist. Es ist für mich ein Erlebnis gewesen, welches ich ganz unbedingt nochmal wiederholen werde.
Solltet Ihr Fragen haben, so stehe ich Euch gerne zur Verfügung.